Das OP-Motto heißt: Save the Meniscus

Ein Meniskusriss gehört zu den häufigsten Knieverletzungen. Betroffen sind Patientinnen und Patienten in fast jedem Alter, meist jedoch 30- bis 50-Jährige, vorwiegend Männer. Der Schaden wird in der Regel zuerst konservativ behandelt, wie ich in meinem Blog „Der Meniskus ist ein sensibler Stoßdämpfer“ erkläre (Link). Doch wenn Physiotherapie, Injektionen und Co. nicht den gewünschten Erfolg bringen, anhaltende Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit die Lebensqualität belasten, entschließen sich viele Patienten zu einer Operation. 

Aufsicht auf die zwei c-förmigen Menisken in einem rechten Knie. Verletzt ist meist der Innenmeniskus (hier rechts). Es gibt drei Bereiche: In der äußeren rot-roten Zone sind die Menisken am dicksten und gut durchblutet. Die Blutversorgung in der rot-weißen Region ist mittelstark. In der dünnen weiß-weißen Zone besteht keine Durchblutung, hier ist ein Riss nicht rekonstruierbar.


Egal, ob einer der zwei wichtigen Stoßdämpfer im Knie, meist ist der Innenmeniskus betroffen, beim Sport oder durch eine unglückliche Drehbewegung gerissen ist – jeder Patient stellt sich dann die Frage: Soll ich mich operieren lassen?
Meine Antwort: Es kommt drauf an.
Einer der wichtigsten Entscheidungskriterien ist, wie sich der Betroffene fühlt, ob er sich wieder – nach dem Ausschöpfen aller konservativer Maßnahmen – genauso gut und beschwerdefrei bewegen kann wie vor der Verletzung. Darüber hinaus machen gewisse Konstellationen des verletzten c-förmigen Knorpels auch aus medizinischer Sicht einen Eingriff ratsam, etwa wenn sie die Gefahr von Folgeschäden im Knie erhöhen wie frühzeitigen Gelenkverschleiß. Mehr zu Arthrose im Blog hier (Link). Unumgänglich ist eine Operation, wenn der Riss das Gelenk blockiert.

Schonend und unbelastend für den Patienten 

Sicher ist: Angst vor so einem Eingriff muss niemand haben. Er wird heutzutage vorwiegend ambulant mittels der sogenannten Schlüssellochtechnik unblutig und äußerst schonend für den Patienten durchgeführt. Bei der minimalinvasiven Arthroskopie, so der Fachausdruck, Infos hier in meinem Blog (Link), sind nur zwei kleine, etwa fünf Millimeter große Schnitte notwendig: Über den einen wird eine Kamera eingeführt, über den anderen feinste Operationsinstrumente. Die Operation erfolgt unter Vollnarkose und dauert normalerweise 15–30 Minuten. 

Da die Menisken wichtige Funktionen für die Knie haben, sie diese etwa vor Überlastung schützen, versucht man, einen gerissenen Knorpel möglichst weitgehend zu erhalten. Zur chirurgischen Behandlung stehen zwei Verfahren zur Verfügung. 

Ein Meniskus kann an verschiedenen Stellen reißen. Die Wahl der Operationsmethode hängt entscheidend von der Rissart, seiner Form und Lage ab.

Zwei chirurgische Verfahren stehen zur Wahl

A. Meniskus-Teilentfernung. Alternative Bezeichnung: Teilresektion oder Meniskusglättung 
Hier gilt die Devise: Nur so viel Gewebe wie unbedingt nötig entfernen. Das heißt: Mittels einer arthroskopischen Minibeißzange werden nur die ausgerissenen Anteile des Meniskus abgetrennt, die für die Schmerz- und Reizzustände im Gelenk verantwortlich sind. Anschließend erfolgt eine Glättung des Bereichs mit einem sogenannten Shaver, um den bestehenden Meniskus zu stabilisieren und weiteren Ausfransungen vorzubeugen.

Vorteil der Teilresektion: Das Gelenk ist bereits nach dem Eingriff relativ schmerzarm und Knie ist recht schnell wieder fit. Nach der gesamten Belastungspause sind 95 Prozent der Patienten vollkommen beschwerdefrei. 
Dauer der Nachbehandlung: Nur 3–4 Tage Krücken. Nach ungefähr einer Woche normale Alltagsbelastung, nach zirka sechs Wochen ist wieder Sport möglich.

B. Meniskus-Refixation, auch Meniskusnaht genannt 
Bei dieser Methode wird der gesamte Meniskus im Knie belassen und der Riss oder abgerissene Strukturen mit gesunden Meniskusbereichen wieder zusammengeflickt – natürlich auch minimalinvasiv über die Arthroskopie. Doch diese Art der Reparatur ist deutlich aufwendiger und verlangt auch viel Geduld vom Patienten: Denn die Erholungsphase ist teils noch mit etwas Schmerzen verbunden und Rückkehr zum Sport dauert etwa drei- bis viermal länger als bei der Teilresektion.
Es gibt verschiedene Nahttechniken:
• All-Inside: Bei dieser modernen Methode erfolgt die Refixation komplett im Gelenk. Ein Nahtinstrument wird neben der Kamera ins Gelenk geführt: so lässt sich mit meist resorbierbaren (sich auflösenden) Pfeilen der Meniskus an der Basis befestigen. Diese Technik wende ich bei 90 Prozent meiner Meniskusnaht-Eingriffe an.
• Inside-Out und Outside-In (inzwischen seltener angewendet): Hier wird der verletzte Meniskus mit einer Nadel „klassisch“ zusammengenäht. Sie wird entweder von innen aus dem Gelenk wieder herausgeführt oder umgekehrt von außen ins Gelenk gebracht. Nachteil: Für den Fadenknoten muss ein weiterer kleiner Hautschnitt gesetzt werden.

Vorteil der beiden Nahtmethoden: Nach der langen Heilungsphase ist der Meniskus fast wieder so intakt wie zuvor. Super für die Kniestatik.
Dauer der Nachbehandlung: 2–6 Wochen Krücken und Knieschiene mit limitierender Bewegingsfreiheit. Ab der siebten Woche wieder normaler Alltag. Nach etwa 3 Monaten lockerer Sport, nach 4–6 Monaten Belastung in schnellen, drehenden Sportarten.

Erst während der Operation wird final über das Verfahren entschieden

Save the Meniskus heißt das Motto – aber nicht um jeden Preis. Die Nahtmethoden sind heutzutage zwar sehr effektiv: Doch nicht jeder Meniskusriss kann auf diese Weise wieder hergestellt werden. Entscheidend ist etwa, wo die Verletzung liegt (siehe untere Abbildung) – es gibt drei Zonen mit unterschiedlicher Blutversorgung (siehe Abbildung ganz oben): Je besser die Durchblutung, desto höher der Behandlungserfolg. In dem Bereich ohne Blutversorgung ist der Knorpel nicht rekonstruierbar. Wenn die Heilungschancen durch eine Naht gering sind, erspare ich den Patienten den langen Weg der Rekonvaleszenz.

Die entscheidenden Kriterien für die Wahl Operationsmethode sind grundsätzlich:
Wie ist der Zustand des Meniskus?
An welcher Stelle ist der Riss?
Art und Form des Risses?
Hat der Meniskus schon Vorschäden?
Zudem: Alter des Patienten und dessen Bewegungsanspruch

Befindet sich der Riss an einer Stelle, die gut durchblutet ist und leicht zu erreichen, dann wählen erfahrene Ärzte die Nahtmethode. Weil sie wissen: Die Erfolgschancen sind sehr hoch. Letztendlich entscheidet der Chirurg aber immer erst während des Eingriffs, welches Verfahren er anwenden wird – denn erst dann kann er direkt sehen, welcher Weg die beste Heilung verspricht. Voraussetzung ist natürlich, dass er alle Techniken beherrscht. Entscheidend dabei ist selbstverständlich aber auch, was der Patient im Vorgespräch wünscht: Möchte oder muss er möglichst schnell wieder fit auf den Beinen sein, oder hat er auch die Zeit für die anspruchsvollere Nachbehandlung der Naht-OP. 

Übrigens – zum Thema „Knieschmerzen – was tun, wenn der Meniskus wehtut?“ bin ich auch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)) interviewt worden. Hier können Sie das Gespräch nachzuhören – F.A.Z. GESUNDHEITSPODCAST (Link)

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